Partnerschaft mit Sanok – Plötzlich ging alles ganz schnell

Am ersten Juni-Wochenende wird in Reinheim das fünfundzwanzigjährige Bestehen der Städtepart-nerschaft mit der polnischen Kommune Sanok gefeiert. In den zurückliegenden zweieinhalb Jahrzehnten entstanden trotz der großen Entfernung (wer nach Sanok fährt, muss immerhin rund 1500 Kilometer zurücklegen) viele persönliche Kontakte, die weit über die zu Beginn üblichen Hilfslieferungen hinausgehen. Und so darf man sich in Reinheim auf ein schönes Jubiläumsfest freuen. In Sanok soll dann vom 05.-08. Juli gefeiert werden.

Schon die ersten Begegnungen zeigten: es passt. Die Mitglieder der vierköpfigen Delegation, die im Februar 1982 nach Reinheim gekommen waren, und auch die neun Reinheimer Kommunalpolitiker, die im April Sanok besuchten, waren sich in einem einig: Die jeweils andere Stadt könnte – trotz der Entfernung und des Größenunterschieds – der nächste Partner werden.

Eigentlich hatten sich die Polen ja Dieburg als Wunschpartner ausgesucht. Dies ging auf Kontakte zurück, die damals vom DRK – Kreisverband schon seit mehr als einem Jahrzehnt gepflegt wurden. Das DRK unterstützte Einrichtungen in Sanok und im benachbaren Krosno, und so lag es nahe, dass man sich in Sanok um Kontakte zu Dieburg bemühte, vor allem, um Erfahrungen auf vielfältigen Gebieten auszutauschen. Dieser Wunsch allerdings stieß in Dieburg auf wenig Gegenliebe.

Über den DRK-Kreisverband kam dann Reinheim ins Spiel, nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil Reinheims Bürgermeister Karl Hartmann damals DRK-Kreisvorsitzender war. Und so reiste die vierköpfige Gruppe von Kommunalpolitikern aus Sanok, angeführt von dem stellvertretenden Bürgermeister Wojciech Balwierczak an die Gersprenz. „Wir hatten für die Polen ein umfangreiches Informations- und Besichtigungsprogramm zusammengestellt, zeigten alle städtischen Einrichtungen, vom Kinder-garten bis zur Kläranlage”, so Karl Hartmann.

„Es gab aber auch Unterricht über kommunale Selbstverwaltung und das Grundge-setz”, erinnert sich Bürgermeister Karl Hartmann. Außerdem wurden Betriebe be-sucht. Eine Ausflugsfahrt in den Odenwald fehlte ebenfalls nicht Ein Besuch bei der Industrie- und Handelskammer sollte dazu dienen, den in Sanok ansässigen Firmen Kooperationspartner zu erschließen.

Natürlich fuhren die Polen nicht nach Hause, ohne eine herzliche Einladung auszu-sprechen, in den polnischen Osten zu reisen, die Stadt am San zu besuchen. Dem folgte dann im April eine neunköpfige Delegation aus Reinheim, der Altbürgermeister Engelbert Wörz, Bürgermeister Karl Hartmann, Stadtverordnetenvorsteher Harald Heiligenthal sowie die Magistratsmitglieder und Stadtverordneten Christa und Willi Kirchner, Ilse Hoerle und Doris Schieck, Helga Deichmann von der Verwaltung und Anna Malek als Dolmetscherin angehörten.

Das Programm, das die Polen für die Gäste aus Reinheim vorbereitet hatten, gab der Gruppe Einblick in alle Bereiche des öffentlichen Lebens und der örtlichen Wirt-schaft. Daneben blieb aber auch Zeit, die zahlreichen Kulturdenkmäler zu besichtigen, die sich in und um Sanok befinden. Ein Ausflug in das nahe Bieszczady-Gebirge sorgte für ein wenig Erholung vom anstrengenden Informationsprogramm. Für einen tollen „Überblick” sorgte ein Hubschrauber-Rundflug. Schließlich wurde auch der Besuch einer Schülergruppe aus Sanok in Reinheim angesprochen.

Nachdem die Reinheimer die vielen neuen Eindrücke verdaut hatten, konnte man sich Gedanken darüber machen, wie sich künftige Kontakte entwickeln könnten. Deutlich geworden war, dass es vor allem darum gehen sollte, objektbezogene Hilfe zu leisten, aber auch, Vereine einzubinden.

Ebenfalls noch 1992 kam noch eine hochrangig besetze Delegation aus Sanok nach Reinheim, angeführt von Bürgermeister Witold Przybylo. Die Polen hatten sich die Tage vom 27. September bis 3. Oktober ausgewählt, als in Reinheim das zehnjährige Bestehen der Partnerschaft mit Cestas gefeiert wurde.

Aber sie wollten nicht nur feiern, sie wollten sich auch informieren. Themenschwer-punkte waren diesmal Müllbeseitigung und Abfallverwertung sowie die Verbesserung der Hygieneprobleme in ihrer Heimat. Dafür wurden von Reinheimer Seite Seminare arrangiert und Besichtigungen vorbereitet.

Und schon wenig später, im November 1992, klinkte sich der Partnerschaftsverein ein und bildete eine Arbeitsgruppe Sanok, deren Aufgabe es war, partnerschafts-ähnliche Beziehungen aufzubauen. Erstes greifbares Ergebnis war dann im August 1993 eine vom Partnerschaftsverein organisierte erlebnisreiche Fahrt nach Sanok, die alle Teilnehmer beeindruckte und mit der diese Verbindung auf eine breitere Basis gestellt wurde. Im Herbst des gleichen Jahres folgte dann der Beschluss des Stadtparlaments, eine Städtepartnerschaft mit Sanok einzugehen.

Schon im Mai 1994 konnte dann die offizielle Verschwisterung in Reinheim gefeiert werden, am 16. Juni folgte die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden in Sanok.

Quelle: Textbeitrag unseres leider verstorbenen Redakteurs Dieter Schieck für das Heft 2014_1 des Infomagazins.

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Erhard Wetzel

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